Über den Film

Das Wattenmeer – ein einzigartiger Lebensraum, voller rauer Schönheit, oft besungen und Gegenstand lyrischer
Betrachtungen in Wort und Bild. So wirkte die Nordsee auch auf Olaf Döring, der daraus die Idee für seinen Film
entwickelte. Sein Zeitrafferfilm „Ebb un Flood“ berichtet über eines der größten Phänomene auf unserer Erde: die
Gezeiten. Und es ist nicht die Erde allein, es sind die Gestirne – solange sie sich drehen wird sich am Kreislauf von
Ebbe und Flut nichts ändern. Der Untertitel des Films „un dat ward ewig so blieben“ steht für die Stringenz, mit der
die Gestirne 
ihr Werk verrichten und die gewaltige Urheberschaft der Gezeiten.

Kutter

Im zeitlichen Ablauf eines Tages – von 0 bis 24 Uhr – wird der wiederkehrende Rhythmus an der Nordseeküste deutlich. Durch die stark geraffte Zeit werden die Gezeiten, Meeresströmungen und Wandlungen des Wetters an der Küste. Zwei norddeutsche Originale kommentieren trocken, im heimatlichen Plattdüütsch, was da vor ihren Augen geschieht. Außerdem hat Döring zwei Krabbenfischer auf ihrem Kutter sowie eine Wattwanderung begleitet.

Die außergewöhnliche Erzählweise des Films ermöglicht eine gänzlich andere Betrachtung dieses Naturraums.
Sie zeigt, wie bedrohlich und gewaltig er sein kann, aber auch wie schön. Dagegen wirkt der Mensch – Ameisen
ähnlich – klein und beinahe bedeutungslos. Und er macht anschaulich, wie alles in diesem vielschichtigem Lebens-
raum miteinander harmoniert. Bilder voll atemberaubender Schönheit bis hin zu impressionistischen und surreal
anmutenden Lichtspielen nehmen den Betrachter gefangen.

Der Film ist eine Einladung, unsere Natur zu beobachten.

 

Über die Produktion

Die Zeitraffer sind ausschließlich aus Fotos zusammengesetzt und wurden mit digitalen Spiegelreflexkameras er-
stellt. In drei Jahren hat Döring für seinen Film 155 007 Fotos aufgenommen. Die Datenmengen wurden größten-
teils auf Festplatten gespeichert. Um die Kameras sicher aufzustellen kamen schwere Stative zum Einsatz, die teil-
weise mit Gewichten beschwert werden mussten. Bei den langen Teleobjektiven sorgte ein zweites Stativ für Stabili-
tät. „Ebb un Flood“ ist ein sprichwörtliches Ein-Mann-Projekt. Von der Idee, über die Regie, Kamera, Ton und
Schnitt bis hin zum fertigen Film machte Olaf Döring alles selbst. Und er war es auch, der für auftretende Probleme
Lösungen finden musste.
So stand an vielen Orten kein Stromnetz zur Verfügung. Demzufolge musste das Equipment mit Akkus versorgt wer-
den. Normale Bleiakkus lieferten zuverlässig die nötigen 12 Volt für die Festplatten. Allerdings benötigt die Kamera
8,4 Volt, aber dafür bietet der Hersteller keine Adapter an. Ein Problem, das sich nur mit einem Gleichstromwandler
und dem Lötkolben lösen ließ.

Die einzelnen Bildsequenzen – teilweise über 12 000 Fotos – werden einem Daumenkino ähnlich, aneinander ge-
reiht. Dabei ist es wichtig, dass die Kamera ohne jegliche Erschütterung bleibt, da sich sonst das Motiv minimal än-
dert. In der Zeitraffersequenz äußert sich dies in einem unruhigem, hin- und herspringendem Bild. Da besonders
dramatische Stimmungen meist bei stürmischen Wetter auftreten, mussten die Kameras auch Witterungsextreme
überstehen. Doch starker Wind lässt hohe Gebäude schwanken. Und auch die sicherste Verankerung lieferte keine
Garantie, dass die Bilder im Zeitraffer zu gebrauchen waren. Abhilfe schuf eine äußerstKamera
aufwändige Nachbearbeitung, in der Döring das Bildmaterial
 in mühevoller Kleinarbeit
korrigierte. Das bedeutete Bild für Bild – 24 pro Sekunde – übereinander zu legen und
deckungsgleich zu machen. Oft ging es nur um wenige Pixel, aber die reichten aus, dass
Bilder auf der 
Leinwand störend zu hüpfen begannen. Zudem ergaben sich bei den Auf-
zeichnungen, fast unmerkliche Unterschiede in Helligkeit und Farbtemperatur. Folgen
der normalen Änderungen des Wetters und des Lichts, wie sie im Verlauf eines Tages auftreten.
Bei einem einzelnen Foto ist das ohne jeden Belang, aber im Zeitraffer verursachte es ein unschönes Flackern.
Folglich musstenauch diese Sequenzen wieder Bild für Bild durchgesehen und angeglichen werden. Das Ausmaß
dieser Computer-Arbeiten verzögerte die Fertigstellung des Films erheblich. Aber um ein qualitativ hochwertiges
Produkt abliefern zu können, waren diese Mühen unerlässlich.

Projektdauer
ca. 4 Jahre

Drehorte
Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Dithmarschen
Nordfriesland
Friesland (NL)

Kinoversion
Vorfilm: Die Gezeiten
Hauptfilm: Ebb un Flood
Länge ca. 45 MinutenStativ
Sprache: Plattdeutsch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Format: 16:9, 1080p

DVD/Blu-ray
Ebb un Flood (35:15)
Die Gezeiten (2:07)
24 Stunden (8:34)
Format: 16:9, PAL oder FullHD
Sprache: Plattdeutsch
Untertitel: Deutsch